Kreatives Genie oder stumpfer Dienstleister: Textertypen im Vergleich

Texter ist nicht gleich Texter. Zwar befassen wir uns alle täglich mit der Welt der geschriebenen Sprache, doch da hören die Gemeinsamkeiten oftmals bereits auf. Neben den verschiedenen Themenwelten und Textspielarten, die durch verschiedene Copywriter besetzt werden, gibt es einen weiteren großen Unterschied: das Selbstverständnis.

So lassen sich die Textertypen unterscheiden

Meiner Erfahrung nach lassen sich schreibende Freelancer grob in drei Kategorien einteilen. Die Unterschiede liegen dabei vor allem im Umgang mit Briefings und der Kooperation mit dem Auftraggeber. Vielleicht erkennst du dich ja in einem der Typen wieder? Oder hast bereits mit einem besonders auffälligen Vertreter einer Art zusammengearbeitet?

Typ 1: Die Schreibmaschine

Die Schreibmaschine bricht das Texten auf das Wesentliche herunter: Wörter im gewünschten Umfang mit der gewünschten Bedeutung in einen sinnvollen Kontext bringen. Dieser Textertyp ist der Traum eines jeden Projektmanagers, der keine Lust auf lange Diskussionen hat und einfach nur eine unliebsame Arbeit auslagert. Die Schreibmaschine hält jede Deadline exakt ein, setzt alle Vorgaben aus dem Briefing perfekt um und produziert Texte, an denen es nichts zu meckern gibt.

Eigener Input, kritisches Hinterfragen oder neue Ansätze kommen dabei jedoch meistens nicht rum. Wenn das Briefing keine Fragen aufwirft und der Auftrag mit dem gegebenen Material und den gewünschten Anforderungen erledigt werden kann, macht die Schreibmaschine genau das. Ob es vielleicht eine bessere Lösung gäbe, ist dabei irrelevant. Als Texter ist die Schreibmaschine dementsprechend auf eine gute Vorarbeit angewiesen, um ihr volles Potenzial als zuverlässiger Dienstleister abrufen zu können.

Typ 2: Der Berater

Eine Tasse Kaffee beim Meeting hilft bei vielen Textertypen
Manche Konflikte zwischen Texter und Auftraggeber
lassen sich einfach bei einer guten Tasse Kaffee lösen. –
Bild von Eko Anug auf Pixabay

Mitdenken, eigene Vorschläge einbringen und Dinge hinterfragen sind genau das Ding des Textertyps Berater. Er nimmt ein Briefing nicht einfach hin, sondern schaut sich alles genau an und scheut sich nicht, konstruktive Kritik und neue Impulse anzubringen. Für Start-Ups mit wenig Erfahrung und Personal oder überforderte Marketingleiter, die dringend Unterstützung brauchen, ist der Berater ein echter Segen. Er bringt sich mit ein und damit das gemeinsame Projekt besser voran. Ein gutes Ergebnis, mit dem alle Beteiligten zufrieden sind, ist dann selbstverständlich. 

Trifft der Berater allerdings auf ein echtes Alphatier, das sich ungern etwas sagen lässt (und schon gar nicht von so einem dahergelaufenen Freelancer), wird die Zusammenarbeit eher zäh. Das permanente Infragenstellen wird als Störfaktor angesehen, der nur Zeit und Geld kostet und das Projekt unnötig verzögert. Kann der Beratertyp den Mehrwert seiner Denkarbeit nicht richtig verkaufen, beißt er mit seinen Bemühungen auf Granit. Die Folge ist (mal wieder) Frustration auf allen Seiten.

Typ 3: Der Künstler

Der Satz „Ich arbeite in der Werbung/im Marketing“ löst bei Branchenfremden noch immer häufig Staunen und Bewunderung aus. Schließlich muss man ja ein kreatives Genie sein, um sich täglich neue Dinge ausdenken zu müssen, oder? Diesen Quasi-Irrglauben hat der Künstler zu seinem Credo gemacht. Er sieht sich weniger als Dienstleister, sondern vielmehr als von der Muse Geküsster, der nur zufällig in einer Branche gelandet ist, in der es hauptsächlich um Geld und Performance geht. Wobei der Zufall meistens darin besteht, dass „echte“ Kunst die Miete oft nicht zahlen kann.

Um den Ausverkauf seiner Leidenschaft etwas abzufedern, versucht der Künstler sind an allen Ecken und Enden frei zu entfalten. Jedes Projekt wird zu einem Kunstwerk erklärt, das im Idealfall Hochkultur und Konsumwelt gleichzeitig in Verzückung versetzen soll. Was bei aufmerksamkeitsstarken Kampagnen für junge oder aufgeschlossene Unternehmen sehr gut funktionieren kann, wird spätestens im Content Marketing leider schnell zum Problem. Denn kreative Wortspiele und lustige Headlines sind vielleicht unterhaltsam. In SEO-Hinsicht gleichen sie jedoch einem echten Albtraum.

Wie immer sind solche Typisierungen natürlich überzeichnete Idealbilder und die meisten Texter werden eine Mischung aus zwei oder gar allen drei Typen sein. Manchmal kann das Selbstverständnis auch je nach Job unterschiedlich aussehen. Bei einem Herzensprojekt werde ich auch schnell mal zum Künstler, während ich im Alltag eher zwischen Berater und Schreibmaschine schwanke.

Warum es wichtig ist, Texterarten zu (er)kennen

Ob nun als Unternehmen, das auf der Suche nach einem Freelance-Texter ist, oder als Freelancer selbst: Es ist von Vorteil, wenn das Selbstverständnis des Texters bekannt ist. Denn nur so kann die Zusammenarbeit wirklich erfolgreich funktionieren. Stell dir folgendes Szenario vor: Ein Texter wird von einem Unternehmen angefragt, um eine neue Kampagne zu entwerfen. Bei der Zielgruppe handelt es sich um einen konservativen Personenkreis und auch die Unternehmensleitung ist eher traditionell aufgestellt. Wenn jetzt ein Texter des Typs Künstler diesen Job annimmt, wird es früher oder später zu Problemen kommen.

Die Folge: Der Freelancer ist frustriert, weil seine Arbeit nicht anerkannt wird und seine Kreativität im Nirvana verschwindet. Der Auftraggeber ist frustriert, weil die Arbeit nicht wie gewünscht ausgeführt wird und es permanent Diskussionen gibt, die Zeit und Geld kosten. Sowohl Auftraggeber als auch Freelancer sollten bei der Akquise möglichst einen frühen „Vibe-Check“ machen, um zu sehen, ob die Arbeitsweisen zusammenpassen. Denn selbst der beste Texter kann nicht abliefern, wenn das Umfeld nicht stimmt.

Kreatives Genie oder stumpfer Dienstleister: Textertypen im Vergleich

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