Die 3 wichtigsten Kundentypen (er)kennen: So ticken die Auftraggeber von Freelancern

Nicht nur Texter lassen sich (mehr oder weniger) in verschiedene Textertypen einordnen. Das Gleiche gilt natürlich auch für die andere Seite. Jeder Kunde beziehungsweise Auftraggeber ist zwar einzigartig, aber bestimmte Verhaltens- und Denkmuster lassen sich jedoch immer wieder entdecken. Vermutlich kann man Kunden in unendliche viele Kategorien einteilen. Als Freundin des Übersichtlichen beschränke ich mich jedoch auf meine Top 3 der Kundentypen, die ich in den letzten Jahren kennenlernen durfte.

Kundentyp 1: Der Hilf- und Ahnungslose

„Wir brauchen dringend Texte für unsere Website!“, „Kennen Sie sich mit diesem SEO aus?“ oder „Ich weiß auch nicht, warum bisher niemand meinen Blog liest.“ So oder so ähnliche klingen die verzweifelten Anfragen von Kundentyp Nummer 1. Der Hilf- und Ahnungslose merkt zwar, dass er Unterstützung im Marketing braucht – aber da hört es bei ihm auch schon auf.

Manche Kundentypen sind komplett ahnungslos

Ausführliche Briefings, Content-Pläne oder gar ein integriertes Kommunikationskonzept sind hier nicht zu erwarten. Dieser Kundentyp findet sich quer durch alle Altersklassen und Hierarchiestufen: Der Praktikant, der plötzlich einen Unternehmensblog als Projekt aufziehen soll, kommt genauso in Frage wie die neue und überforderte Leiterin der Marketingabteilung, die Druck von oben bekommt, oder der alteingesessene Geschäftsführer des traditionsreichen Familienunternehmens.

Der Vorteil für Freelancer: Sie haben bei diesen Kunden so gut wie Narrenfreiheit. Der Auftraggeber wird in seiner Hilf- und Ahnungslosigkeit alles abnicken, was halbwegs vernünftig aussieht und/oder gut verkauft wird. Und das ist auch direkt der Nachteil: Kritische Fragen oder Anmerkungen sind hier nicht zu erwarten. Als Freelancer bist du auf dich allein gestellt und musst dir deiner Sache 100% sicher sein. Das ist nicht für jeden das Richtige.

Wenn du dich selbst als Kundentyp 1 siehst (und das zuzugeben ist bereits der erste wichtige Schritt), such dir einen Freelancer, dem du wirklich vertraust. Wer von der Materie wenig Ahnung hat, sollte sich auf seinen Experten blind verlassen können.

Kundentyp 2: Der Besserwisser

Vertrauen und Anerkennung sind für den Besserwisser Fremdwörter. Eigentlich würde er die Aufgaben am liebsten alle selbst übernehmen, aber der Tag hat nur 24 Stunden und außerdem hat der Chef gesagt, er solle für die Texte lieber einen Profi besorgen. Die hohe Meinung, die dieser Kundentyp von sich selbst hat, geht oftmals einher mit einer Abwertung aller anderen. Und das trifft dann ganz besonders den Freelancer, der mit dem Besserwisser zusammenarbeiten muss.

Manuskripte, in denen mit mehreren Farben Kommentare, Ergänzungen und Streichen hinzugefügt wurden oder mit extrem hilfreichen Anmerkungen wie „So nicht!“ oder „FALSCH!!“ versehen worden sind, gehören zur Standardausrüstung des Besserwissers. Ebenfalls nach eigener Erfahrung auffällig beliebt in dieser Kategorie: Ausgedruckte Dokumente, die mit kaum leserlichen handschriftlichen Kommentaren, Textmarkerspuren und Hinweisen verbessert wurden, und anschließend als Schwarz-Weiß-Scan an den Texter zurückgespielt werden. Lange Telefonate oder Termine vor Ort, bei denen der Kunden spüren lässt, dass dieser wilde kreative Freiberufler eh keine Ahnung hat und das alles Zeitverschwendung ist, runden das Paket des Grauens ab.

Und auch wenn es jetzt so klingt, als sei der Besserwisser ein absoluter Alptraumkunde, mit dem es niemand aushalten kann: Das ist nur die halbe Wahrheit. Freelancer, die gut einstecken können, keinerlei Eitelkeit in Bezug auf ihre Arbeit verspüren und – das ist das Wichtigste – ein gutes Honorar auf Stundenbasis aushandeln, können im Besserwisser eine wahre Goldgrube finden. Und wenn das Projekt dann irgendwann sein Ende findet, kann sich das Ergebnis auch sehen lassen – man muss nur durchhalten.

Und an alle, die das lesen und sich vielleicht gerade selbst wiedererkennen: Reißt euch mal zusammen und lasst euch von einem Profi unterstützen. Die Blinddarm-OP führt ihr schließlich auch nicht selbst durch, oder?

Kundentyp 3: Der Kooperative

Der Kooperative ist für die meisten Freelancer eigentlich ein echter Traumkunde.

  • Er weiß den Wert der Arbeit, die er einfordert, zu schätzen.
  • Er gibt sich Mühe, um die beste Ausgangslage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu schaffen – sei es durch ein gutes Briefing, eine offene Kommunikation oder produktive Kritik.
  • Er kennt seine Stärken und Schwächen, hilft, wo er kann, und hält sich zurück, wenn er keine Ahnung hat.

Ein echter Profi also, mit dem die Zusammenarbeit wie am Schnürchen läuft. Im Idealfall zumindest. Denn auch beim Kooperativen müssen Texter und Auftraggeber zusammenpassen. Fordert der Kunde beispielsweise Feedback oder ein ausführliches Re-Briefing ein, das der Freelancer nicht liefern kann oder will (weil er sich beispielsweise als Dienstleister selbstversteht), wird auch diese Zusammenarbeit Herausforderungen mit sich bringen – und kann am Ende scheitern.

Was tun, wenn Auftraggeber und Freelancer nicht harmonieren?

Wie bei der Typisierung der Texter bereits deutlich wird: Nicht jeder Freelancer kann mit jedem Kundentypen zusammenarbeiten. Und das bedeutet nicht, dass irgendeiner der Typen besser ist als ein anderer – es geht schlicht und einfach um Kompatibilität und Harmonie (obwohl manche Kunden nicht zu Unrecht als „Horrorkunden“ bezeichnet werden…). Natürlich muss man nicht sofort die Flinte ins Korn werfen, wenn es auf den ersten Metern der Zusammenarbeit zu Schwierigkeiten kommt. Manche Dreamteams müssen sich erst eingrooven, bevor es zu wahren Topergebnissen kommt. Und selbstverständlich ist es auch möglich, den ein oder anderen etwas zu „erziehen“, damit die gemeinsame Arbeit besser läuft.

Doch stellt sich heraus, dass eine Kooperation kaum möglich ist, weil die Vorstellungen zu weit auseinanderliegen, sollte bald ein Schlussstrich gezogen werden. Ich wurde auch bereits von einem Kunden zeitnah von meinen Pflichten entbunden, weil ich seine Wünsche nicht erfüllen konnte und wir einfach aneinander vorbeigeredet haben. (Dass die Wertschätzung von seiner Seite aus generell eher gering war und ich vermutlich eh selbst zeitnah gegangen wäre, steht auf einem anderen Blatt.) Nicht jeder kann mit jedem glücklich werden – das gilt im Privatleben genauso wie im Job.

Die 3 wichtigsten Kundentypen (er)kennen: So ticken die Auftraggeber von Freelancern

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